Osnabrücker Werkstätten
Gelebte Inklusion auf höchstem Genauigkeitsniveau
Kundenprofil
Die Heilpädagogische Hilfe Osnabrück, kurz HHO, hat mit dem Metallzentrum einen Weg gefunden, der allen Mitarbeitenden, den Meistern, Technikern, Ingenieuren und den Menschen mit Beeinträchtigungen gleichermaßen nützt. Mit hochwertiger Maschinentechnik holt man qualifizierte Aufträge und liefert beste Qualität. Der Großteil der eingesetzten Maschinen kommt aus dem Hause Mazak.
Werkzeugmachermeister Joachim Roski (rechts) und einer der Mitarbeitenden an der VTC-530C, die mit einer Mazatrol SmoothG-Steuerung ausgestattet ist.
Auf den allerersten Blick unterscheidet die Fertigung im Metallzentrum Osnabrück sich nicht vom Shopfloor eines Lohnfertigers. Doch sie ist Teil des neuen Kompetenzzentrums für Metallbearbeitung der Osnabrücker Werkstätten, einer Einrichtung für Menschen mit physischen, psychischen und geistigen Beeinträchtigungen, das 2017 den Betrieb aufgenommen hat.
Früher sah man die Arbeit in den sogenannten beschützenden Werkstätten eher als Beschäftigungstherapie. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute können sich Menschen mit Beeinträchtigung als Teil des Arbeitsmarktes sehen und wertschätzen, wenn auch zugegebenermaßen ohne den Druck einer normalen Arbeitsstelle. Die Rahmenbedingungen sollen Chancen und Motivation bieten. Auch eine Eigenverantwortlichkeit kann strukturell und inhaltlich vorbereitet und gefördert werden. Ziel der HHO, dem man sich schrittweise nähert, ist es, den Gegebenheiten des allgemeinen Arbeitsmarktes sehr nahe zu kommen.
Laut Rolf Holtgreve, als Bereichsleiter zuständig für die allgemeine Auftragskoordination, hat die HHO 2.300 Mitarbeiter an 13 Standorten, die in den Bereichen Elektro, Verpackung und Konfektionierung, Digitales und Papier, Montage, Metall, Textil, Grünflächenpflege und Holz tätig sind. Auf einer Fläche von 6.000 qm bietet der Standort des Metallzentrums im Ortsteil Osnabrück-Fledder nun Raum für alle metallbearbeitenden Bereiche der Osnabrücker Werkstätten mit Kapazitäten für bis zu 120 Arbeitsplätze. Vorteile bietet diese Bündelung der Kompetenzen im Bereich Metall auch für Wirtschaftskunden. Viele Unternehmen schätzen die Termintreue und die Qualität der Zulieferteile, erwarten allerdings die gleiche wettbewerbsfähige Preisgestaltung wie bei anderen Zulieferern.
Dipl. Ing Thomas Hesselbarth (rechts) unterstützt seine Mitarbeiter wo nötig, lässt aber auch Raum für persönliche und fachliche Entwicklung nach dem Grundsatz der HHO: „Fördern. Fordern. Qualifizieren“.
Vielseitiger Partner für die Wirtschaft
Maschinenbauingenieur Thomas Hesselbarth trägt als Einrichtungsleiter die Verantwortung für Menschen und Maschinen im Metallzentrum. Mit zehn anleitenden Fachkräften aus dem Metallbereich, die außerdem im Umgang mit Mitarbeitenden mit Beeinträchtigungen geschult sind, sorgt er für den reibungslosen Ablauf in der einschichtigen Fertigung. Er beschreibt die Arbeit im Metallzentrum, das im Übrigen nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert ist, so: „Unsere Primäraufgabe als gemeinnütziges Unternehmen ist der REHA-Auftrag. Doch im Arbeitsbereich arbeiten wir profitorientiert, weil wir aus den Erlösen zum einen die Kosten decken müssen und zum anderen mindestens 70% der Erlöse an die Beschäftigten mit Handicap auszahlen müssen. Eine Arbeitsergebnisrechnung zeigt wie erfolgreich wir wirtschaften. Und: bei uns stimmen sowohl das technische Fertigungs-Know-how als auch der Preis.“ Im Metallzentrum sind innerhalb der Produktion die Bereiche Fertigung, Bearbeitung, Montage, Verpackung und Konfektionierung eingegliedert. Ein verankertes Qualitätsmanagement sowie ein Warenwirtschafts-(ERP-)System zur Erfassung, Kalkulation und Abwicklung der Aufträge sorgen für strukturierte Prozesse und gleichbleibende Qualität.
Der Arbeitsraum der QUICK TURN 250MY ist großzügig und gut zugänglich.
Hohe Präzision braucht die richtigen Maschinen
Für Hesselbarth stand von Beginn an fest, dass nur hochwertige Maschinen Teile in hoher Qualität produzieren können. Bereits vor 23 Jahren wurde daher damals noch am alten Standort die erste Mazak-Maschine, angeschafft. Viele weitere folgten. Andere Anbieter wurden zwar mit angefragt, doch die Belegschaft fand stets die besten Argumente für Mazak. Thomas Hesselbarth erläutert, warum: „Mazak-Maschinen sind sehr bedienerfreundlich und ergonomisch ausgelegt. Ein großzügiger Zugang zum Arbeitsraum ist für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen eine große Erleichterung. Die Maschinen sind außerdem gekapselt und mit Schutzvorrichtungen sowie mit einer Absaugung versehen, um die Raumluft rein zu halten. Außerdem werden Absorber für den Lärmschutz eingesetzt. Das ist besonders wichtig für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.“ Die Mannschaft war einer Meinung, sie wollten wieder Mazak-Maschinen.
2019 wurden ein Hochleistungs-Drehzentrum QUICK TURN 250MY und ein vertikales Bearbeitungszentrum VTC-530C für die 3- und 4-Achsenbearbeitung in Betrieb genommen. Die Serie QUICK TURN wurde für die hochgenaue Fertigung komplexer Teile bei kleinstmöglichem Rüstaufwand konzipiert und ist mit dem neuen Revolver mit Smooth Mill Drive und BMT- bzw. VDI-Werkzeugaufnahmen ausgestattet, der in zwei Drehzahlvarianten mit 5.000 bzw.10.000 min-1 verfügbar ist. Die Maschinen bieten eine hohe Leistung (Hauptspindeldrehzahl 4.000 min-1) für anspruchsvolle Bearbeitungsaufgaben und sind in Drehlänge 500 mm/1.000/1.500 mm und max. Drehdurchmesser 380 mm verfügbar. Sie sind mit Fräsfunktion (Frässpindel 5,5 kW Nennleistung) und Y-Achse ausgestattet.
Die Steuerung von Reitstockverfahrweg und -andrückkraft über einen Servomotor gewährleistet das Drehen mit hoher Genauigkeit selbst an Wellenteilen mit kleinem Durchmesser. Die Maschine ist mit einer Mazak SmoothG CNC-Steuerung ausgestattet.
Bei der VTC-530C sorgt die Fahrständerbauweise für außergewöhnliche Vielseitigkeit bei den unterschiedlichsten Bearbeitungsaufgaben. Der feststehende Tisch erlaubt die Bearbeitung schwerer Werkstücke und ermöglicht die problemlose Montage von Rundtischen oder hydraulischen Spannvorrichtungen. Eine optional erhältliche herausnehmbare Mittentrennwand ermöglicht das Umrüsten auf der einen Seite des Tisches bei gleichzeitiger Zerspanung auf der anderen Seite.
Der automatische Werkzeugwechsler mit zwischengeschaltetem Werkzeugwechselarm ist für 30 Werkzeuge mit einer Länge bis 350 mm und einem Gewicht bis 8 kg ausgelegt. Durch Direktantrieb mittels Kugelumlaufspindeln und Linearrollenführungen ergeben sich besonders günstige Achsenverfahrdaten wie die Eilganggeschwindigkeit von 42 m/min. Die Spindel mit Drehzahl 12.000 min-1 und einer Leistung von 18,5 kW wurde speziell im Hinblick auf kürzere Zykluszeiten konzipiert – bei der Schwerzerspanung genauso wie bei der Bearbeitung von Aluminium mit Werkzeugen mit kleinem Durchmesser.
Im Metallzentrum werden auf der VTC-530C unter anderem hochpräzise Aluminiumteile Teile für ein international agierendes Unternehmen im Bereich Wintergartenbau und Großobjekteverglasung produziert. Die Pendelbearbeitung ermöglicht einen höheren Ausstoß und auch kleinere Losgrößen können wirtschaftlich gefertigt werden. Die im Metallzentrum bearbeiteten Materialien sind Stahl, Aluminium, Kunststoff, Messing und Bronze. Für die Osnabrücker Werkstätten gilt wir für jedes andere Unternehmen auch, dass die Maschinen aus dem Arbeitsergebnis heraus finanziert werden. Man investiert in Technik, die die Osnabrücker Werkstätten produktionstechnisch zukunftssicher und wettbewerbsfähig halten.
Die Mitarbeitenden mit Beeinträchtigungen übernehmen das Be- und Entladen der Maschinen sowie die Überprüfung der gefertigten Bauteilmaße und weitere nachgelagerte Arbeiten. Sie sind sichtlich stolz auf ihre Tätigkeit. Die Programmierung übernehmen die Fachkräfte. Diese legen auch den Arbeitsablauf fest. Werkzeugmachermeister Joachim Roski ist schon seit 2012 Teil des Fachkräfteteams. Für ihn sind die Mazatrol-Steuerungen, und hier besonders die SmoothG, aufgrund ihrer intuitiven Bedienoberfläche und der einfachen Programmierung eines der Highlights der Mazak-Maschinen. „Ich kann mich sehr schnell reindenken; die Funktionen der Mazatrol Steuerung sind schnell zu erlernen und einfach zu verstehen“, schwärmt Roski.
SmoothG wurde für die Steuerung von Maschinen mit bis zu 16 Achsen und simultaner Bewegungssteuerung von bis zu 4 Achsen konzipiert und ist damit das ideale CNC-System für vertikale und horizontale Bearbeitungszentren und Hochleistungsdrehzentren – von der 2-Achsen-Ausführung bis zu Maschinenmodellen mit mehreren Achsen und Spindeln.
Ein wesentliches Merkmal der Mazatrol SmoothG-Steuerung ist ihre Geschwindigkeit. Sie kann Schnittgeschwindigkeiten von bis zu 540 m/min erzielen. Damit ist sie bestens gewappnet für die Anforderungen, welche die heute zunehmend eingesetzten und auf superhohe Betriebsgeschwindigkeit ausgelegten Servomotoren der neuesten Generation stellen.
Die SmoothG hat eine Bedieneinheit mit 19"-Touchscreen und eine leicht erfassbare grafische Benutzeroberfläche. Fünf prozessspezifische Startbildschirme zeigen jeweils zentral auf einer Seite die wichtigsten Daten. Dabei werden die wichtigen Betriebsstufen enorm vereinfacht: von der Teileprogrammierung über das Werkzeugdaten- und Einricht-Management bis zur eigentlichen Bearbeitung und der Maschinenwartung.